Buchbesprechung
Diplom-Geologe
Dr. Dietmar Meier
Petershagen
Geo-Beratung
Ausstellungen
Bücher
Internet
Sandspielereien
Wesertalmodell
Vorträge
Impressum
Buchbesprechung "Expedition in eine Kiesgrube"
Mindener Tageblatt vom 10./11. Juli 1999

Exotisches für den Urlaub auf Balkonien
Ein Fotoband des Geologen Dietmar Meier erschließt die Naturwunder der Erde in Zentimetergröße und am Boden einer Kiesgrube

Von Florian Klebs

(mt). Ihre Freunde kreuzen durch die Karibik und Sie sitzen immer noch daheim? Machen Sie sich nichts daraus: Wahre Exotik findet der Abenteurer nur noch in den Löchern am Rande der Weser. Der Petershagener Geologe Dr. Dietmar Meier hat ein balkontaugliches Buch darüber geschrieben.

Ein kleines Rinnsal zeichnet Muster in den Sand, die sich nur durch die Dimensionen von einem Satellitenbild des Nildeltas unterscheiden. Ein ausgetrockneter Bach hat Dünen zusammengespült, deren Anblick einem kleinen Wüstenpanorama entspricht. Die Geologen tauften dieses Phänomen Maßstabs-Effekt: Ein Satellitenfoto von Prielen im Watt und die Makroaufnahmen eine Schlammpfütze sind ohne Größenangabe nicht zu unterscheiden. Wissenschaftler achteten deshalb peinlich darauf, daß jedes Foto eine Münze, einen Menschen oder ein Haus als Orientierungshilfe enthält.
In seinem Bildband Expedition in eine Kiesgrube hat Meier mit der wissenschaftlichen Tradition gebrochen. Herausgekommen ist ein Buch, daß von den phantastischen Aufnahmen lebt. In leuchtenden Farben zeigt es Schluchten, Erdpyramiden und Dünenfelder, die die Abenteuerlust wecken und zum Träumen einladen. Wie groß die Gebilde tatsächlich sind, ist unwichtig, um sie zu genießen.

Seit der Chaos-Theorie ist es Mode geworden, solche Aufnahmen für einen Diskurs über chaotische Vorgänge und Fraktale zu bemühen. In seinem Bildband meidet Meier diese abgenutzten Schlagworte, die Autoren vor allem dann verwenden, wenn sie ihren Inhalt nicht vollständig begriffen haben. Stattdessen ist es Meier gelungen, ein sehr subtiles Lehrbuch der Geologie zu verfassen. Profunde Textpassagen erklären, wie Steine durch Wind und Wasser zu Kies und Sand zerfallen, als Passagiere von Flüssen, Stürmen und Gletschern reisen und schließlich wieder zu festem Gestein verbacken werden. Die Illustration zeigt dazu winzige Schlammströme, die wie Lavaströme in Island zu knubelligen Gebilden trocknen. Ein geologisches Schmankerl sind die Sandvulkane, die durch das Gewicht der Kieslaster aus dem Boden gepreßt werden. An der Oberfläche bilden sie handtellergroße Vulkankegel.

Die Hingabe, mit der Meier ein Reifenprofil ausleuchtet und ablichtet, entlarvt auch die Psyche seines Berufstandes: Wie der Rheinländer im Revier hat sich der Geologe in das Loch in der Landschaft verliebt. Deshalb sei ihm das einzige dröge Bild verziehen: Eine Reihe Palettenstapel mit Kalksandsteinen, industriegenormt und grau in grau. Sein faszinierendes Bilderbuch über verspielte Formen und phantastisches Lichterspiel schließt Meier mit einem Stück handfester Industrieromantik: Förderbänder vor dem Abendhimmel, mächtig, stählern, schwarz und ausgesprochen schön.